Preisträgerkonzert 2017

„Es war eine gute Zeit hier in Markneukirchen!“

(gd) – So die Worte des Präsidenten des IIW für Saiteninstrumente, Prof. Julius Berger, die er  anlässlich des Preisträgerkonzertes zum 52. Internationalen Instrumentalwettbewerb ehrlichen Herzens geäußert hat.

Zuvor ergriff der Bürgermeister der Musikstadt, Andreas Rubner, noch einmal das Wort. Er bedankte sich bei allen Sponsoren und Förderern des IIW und bei allen Helfern, ohne die ein solcher internationaler Wettbewerb nicht möglich sei. Er begrüßte die Vertreter der Stadt und der Innung und die Handwerksmeister, die Vertreter der Medien (ein Dank für die gute und faire Berichterstattung), das Publikum, die Gäste aus nah und fern und  die Teilnehmer und Preisträger auf das herzlichste.

Wie er bei einem Barbecue, den die Studenten der Hochschule spontan für die Teilnehmer veranstalteten, erfahren habe, spiele für die Teilnehmer neben dem Streben nach einem Preis ebenso der Austausch an Erfahrungen, das Studieren und Beobachten der Mitbewerber eine wichtige Rolle. Dieser Wettbewerb sei qualitativ anspruchsvoll gewesen, und Herr Rubner äußerte den Wunsch, dass der Wettbewerb die Teilnehmer ihren beruflichen und künstlerischen Zielen ein wenig näher gebracht und an Erfahrungen reicher gemacht hat.

Dass in diesem Jahr durch unsere Handwerksmeister praktisch neue Wege gegangen wurden – es fand kein traditionelles Fachgespräch in der Musikhalle statt, sondern es wurde zu einem historischen Stadtrundgang eingeladen – freute den Bürgermeister. Die Art des ungezwungenen Fachgesprächs mit einer kleinen Präsentation ihrer Produkte solle beibehalten werden, es fördere menschliche Wärme und gute Kontakte.

Alle gaben ihr Bestes, und mit einem kleinen Seitenblick auf die zahlreichen Sponsoren gab er der Hoffnung Ausdruck, „dass wir es immer wieder schaffen, die materiellen, finanziellen sowie die menschlichen Rahmenbedingungen des IIW so gut hinzubekommen wie in diesem Jahr.“  Es sollten sich alle Bürger dieser Stadt verpflichtet fühlen, die Marke „Markneukirchen“ (mit dem Instrumentalwettbewerb, über 100 Musikinstrumentenherstellern, Museen, der Zweigstelle der Hochschule, Gymnasium mit musischem Profil, Musikschule, Orchestern und Musikgruppen) zu pflegen, zu erhalten und weiter auszubauen!

Mit einem herzlichen Dank an den „klugen und erfahrenen Kopf“, Carola Schlegel, und ihre Mitstreiterinnen sowie einer Einladung zu einem kleinen Imbiss und einem Glas Sekt in der Konzertpause beendete Andreas Rubner seine Worte.

Prof. Berger griff die Gedanken seines Vorredners auf und wies darauf hin, dass diese Tage des Wettbewerbes erfüllte Zeiten waren: „Wir erlebten das innere Ringen der jungen Teilnehmer, ihre Liebe zur Musik, ihren Mut, Neues zu wagen, ihre Bekenntnisse in Tönen. …

Ich konnte die Kollegen in den Jurys neu schätzen lernen, die mit ihrer Erfahrung und ihrem reichem Wissen die musikalischen Stimmen ermitteln, die dieser Welt Wichtiges zu sagen haben; wobei die Arbeit der Jury auch von Gegensätzen geprägt war, das hat zu guten Ergebnissen geführt, die wir heute mit großer Freude präsentieren dürfen!“           

Die Preisträger seien herausragend und sie werden herausragende Stellungen in der Welt der Musik besetzen, wie schon oft in der Vergangenheit geschehen (z.B. bei den beiden Fachjuryvorsitzenden Prof. Thomas Selditz (Viola) und Prof. Frithjof-Martin Grabner (Kontrabass))! So schließen sich die Kreise und bestätigen die große Bedeutung des IIW Markneukirchen.

Weiter betonte Julius Berger, es gehe hier um innere Werte in der Musik und damit auch um eine Stimme gegen den Opportunismus, gegen die Gleichgültigkeit und eine Stimme für die Menschlichkeit. Er wünschte den Preisträgern „Mut, eingefahrene Wege zu verlassen, Mut gegen den Strom zu schwimmen, Mut zur Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit“.

Und dann kamen endlich die Preisträger in den Kategorien Kontrabass und Viola zu Wort bzw. zu Ton. Den musikalischen Reigen eröffnete die junge Kontrabassistin aus Finnland, Maria Krykov (2. Preisträgerin) mit ihrer sehr gefühlvollen und mit großer Musikalität vorgetragenen Interpretation des capriccio di bravura von Giovanni Bottesini (1821-1889). Begleitet wurde sie von der ausgezeichneten Pianistin Marcela Jelínkova.

Im Anschluss daran betrat der 3. Preisträger im Fach Viola, Sejune Kim aus Südkorea die Bühne und überraschte das doch recht konservative Publikum mit zwei kurzen Musikstücken aus der Solosonate (2. Loop, 6. Chaconne chromatique) von György Ligeti (1923-2006). „Dieses Werk umfasst alle Möglichkeiten des Instruments vom lyrischen bis zum explosiven chromatischen Doppelgriffspiel. Mit osteuropäischem Folk, abstrakter Polyphonie und wiederholten subtilen Fragmenten der Sonate wird Ligetis weite Musikwelt im Kleinen gespielt.“ (Tabea Zimmermann) Diesen Anforderungen wurde der junge Bratschist mit gro-ßer technischer Beherrschung seines Instrumentes und mit gutem Werkverständnis in ho-hem Maße gerecht.

Das „Küken“ dieses Wettbewerbes, der 15jährige Kontrabassist Indivara Stivín (Tschechische Republik) setzte das Konzert fort und spielte mit großer Musizierfreude und erstaunlicher Leichtigkeit die jazzige Sonate „1963“ von Frank Proto (*1941). Er harmonierte wunderbar mit seiner in allen Belangen souveränen Klavierbegleiterin Alice Springs  – sie bekam dann am Ende auch ein Küsschen von ihm  und er vom begeisterten Publikum viel Beifall.

Den Abschluss des ersten Konzertteiles gestaltete die russische Bratschistin Karolina Errera. Sie ließ ihr Instrument in dem Concertstück von George Enescu (1881-1955) singen und jauchzen, ja sie zeigte die ganze Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten in sehr einfühlsamer Manier. Begleitet wurde sie von der versierten Pianistin Yumi Sekiya.

Nach Preisverleihung und Pause kam es dann zum musikalischen Höhepunkt. Der 1. Preisträger im Fach Kontrabass, Andreas Ehelebe (Deutschland), zeigte noch einmal mit seiner in allen Belangen souveränen Interpretation desKonzertes Nr. 2 h-Moll für Kontrabass und Orchester von Giovanni Bottesini, dass er hochverdient den „Siegerkranz“ bekommen hat. Mit Virtuosität und Leidenschaft, mit technischer Perfektion und großem Werkverständnis forderte er das Publikum zu langanhaltendem Beifall heraus.

Aber auch Diyang Mei aus China stand ihm mit seinem Vortrag des Viola-Konzerts von Bela Bartók (1881-1945) in keiner Weise nach. Auch ihm kann man große Musikalität, Ausdrucksstärke, Virtuosität und ausgezeichnete Beherrschung seines Instrumentes bescheinigen.

Begleitet wurden beide Solisten in sehr einfühlsamer und wohltuend zurückhaltender Weise von der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach unter der souveränen Leitung ihres Chefdirigenten David Marlow.

Um mit den Worten von Prof. Julius Berger zu sprechen: „Allen Teilnehmern viel Kraft für die von Reiner Kunze formulierte Essenz der Zeit, Kraft für gute Wege, Wege der Hoffnung und der Orientierung! Diese Welt, verehrte Preisträger, braucht Sie! Alles Gute!“