„Neujahrszauber“

Ein farbenfroher Streifzug durch 500 Jahre Musikgeschichte

Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Markneukirchen am 07.01.2017

(gd) – Dieses Konzert zu Beginn eines neuen Jahres ist inzwischen ein Highlight im Musikleben unserer Stadt geworden; und auch in diesem Jahr waren die ca. 700 Zuschauer  begeistert vom sehr abwechslungsreichen, mit kleinen Überraschungen gespicktes Programm, vom mit viel Musizierfreude und großer Wandlungsfähigkeit aufspielenden Orchester unter der souveränen Leitung seines Dirigenten Matthias Spindler und von der humorvollen, lockeren Moderation des Plauener Schauspielers Jörg Simmat.

Vielleicht war der eine oder andere etwas verwundert, zu Beginn des Konzertes das Luther-Lied „Eine feste Burg ist unser Gott“ (1521) zu hören, das mit klarer Tonsprache von den Blechbläsern des Orchesters intoniert wurde und den Zuhörern im Sinne Martin Luthers zu verstehen gab, wem wir alles zu verdanken haben und wem wir stets vertrauen können!

Nach diesem beeindruckenden Choral, der „Marseillaise der Reformation“, ergriff Bürger-meister Andreas Rubner das Wort. Er begrüßte zahlreiche Ehrengäste, wie z.B. die Bundes-tagsabgeordnete Yvonne Magwas, die sich für den Internationalen Instrumentalwettbewerb und für unsere Region immer wieder stark macht, eine kleine Delegation aus der tschechischen Nachbargemeinde Luby, Vertreter des Bubenreuther Musikvereins oder den Bürgermeister Bad Brambachs. In seiner Rede blickte Rubner nicht nur voller Sorge auf die große Weltpolitik, sondern stellte auch fest, dass es den Menschen in Deutschland nach der Wende noch nie so gut ging: Wir leben in Frieden, die Zahl der Arbeitslosen ist stark gesunken und viele neue Arbeits- und Ausbildungsplätze wurden geschaffen, die Konjunktur boomt!

Eine deutliche Mahnung ging an diejenigen, die „denken, mit Nationalismus und Abschottung nach außen könne man Probleme lösen… Unsere Welt ist nicht schwarz/weiß, sondern vielschichtig und bunt, und daraus ergeben sich Probleme, die vielschichtig sind, und so führen … populistische Lösungen nur wieder zu neuen Problemen“!

Bürgermeister Rubner ging natürlich auch auf das regionale politische und wirtschaftliche Leben ein. So dankte er allen, die mit ihrer Arbeit, mit ihrem Engagement „dazu beitragen, dass es sich lohnt, hier zu leben“, er bedankte sich u.a. für die Nachbarschaftshilfe der Städte Reichenbach und Auerbach und des Landkreises zur Fortführung unserer Freilichtmuseen, dem Kulturraum Zwickau für die Erhöhung des Zuschusses für den IIW, für die tatkräftige Unterstützung seitens Yvonne Magwas, die Frau Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, als Schirmherrin für den IIW 2017 zu gewinnen.

Mit Blick auf das kulturelle Leben unserer Stadt, das dem eines „Mittelzentrums“ gleichzusetzen ist, auf die weiteren Vorhaben unserer Stadt (Restaurierung der Musikschule, Ausbau des Busbahnhofs und des Feuerwehrgebäudes, Schlossparksanierung Erlbach, Ausbau der Richard-Wagner-Straße) schwang ein gewisser Stolz mit. Der bevorstehenden Bundestagswahl gedenkend, warnte er eindringlich davor, unsere Demokratie, die zu den besten der Welt gehört, aufs Spiel zu setzen.

Und dann ging es mit Riesenschritten durch die Musikgeschichte aus 5 Jahrhunderten. Für die Renaissance stand Michael Praetorius (1571-1621) mit einem französischen Tanz  Spagnoletta auf dem Programm. Ihm folgte als Vertreter der Barockzeit natürlich der Großmeister Johann Sebastian Bach, dessen Name durch die Tuba angekündigt wurde: B-A-C-H. Von ihm erklangen Menuett und Badinerie aus der 2. Orchestersuite, mit barocker Leichtigkeit spielte hierbei  Rayna Voigt  die Soloflöte.

Die Wiener Klassik wurde gleich von zwei Komponisten vertreten. Beim 4. Satz der Sinfonie Nr. 18 von Joseph Haydn kam Unruhe im Publikum auf, denn es verließen nacheinander alle Musiker – bis auf 2 Violinen (Norbert Knappe und Liljana Makuway) – und der Dirigent die Bühne. Jörg Simmat klärte die Zuhörer anschließend auf:  Es war die sogenannte Abschieds-sinfonie, mit der Joseph Haydn seinen Dienstherren Fürst Esterhazy davon überzeugen wollte, dass seine Musiker auch einmal nach Hause zu ihren Familien wollten. Ein Enfant terrible der Musikszene dieser Zeit war wohl W.A. Mozart, von dem passender Weise sein Kanon Bona nox ausgewählt und vom Orchester aber mit dem Instrument „Stimme“ gespielt bzw. gesungen(!) wurde, und das gar nicht schlecht; doch sang man nicht den Originaltext Mozarts, sondern die salonfähigere Variante! Auch in der anschließenden Aufforderung zum Tanz von C.M. von Weber, in einer Bearbeitung von Hector Berlioz – eine gelungene Interpretation dieses schwierigen Werkes! – bekamen die Zuhörer etwas zum Schmunzeln: Die Posaunen wiesen mit großen Schildern darauf hin, dass sie „ 464 Takte Pause“ hätten.

Ein Walzer von Johann Strauß darf natürlich in einem Neujahrskonzert nicht fehlen, und so erklangen als Übergang zur Romantik seine berühmten „Frühlingsstimmen“ und entließen das Publikum beschwingt in die Pause, wo den Gästen traditionsgemäß ein Erfrischungsgetränk kredenzt wurde.

Auch der 2. Teil des Abends ging mit viel Schwung weiter und das Orchester konnte einmal mehr zeigen, welch großes Potenzial in ihm steckt! Mit Temperament, Leidenschaft und hervorragender dynamischer Gestaltung erklangen Brahms Ungarischer Tanz Nr. 5, Antonín Dvo Slawischer Tanz Nr. 1, der Tango in D von Isaac Albéniz und Aram Chatschaturjans Säbeltanz aus seinem wunderschönen Ballett „Gajaneh“.

Stellvertretend für die neuzeitliche Musik spielte das Orchester von Viktor Lopez ein James Bond Medley, von A. Lloyd Webber Symphonic Reflection und von Leonard Bernstein West Side Story – Selection for Orchestra und bewies einmal mehr, dass es auch mit moderner Rhythmik und Harmonik umgehen und den Nerv dieser Zeit treffen kann.

Das begeisterte Publikum, das dem Orchester und seinem Dirigenten mit Standing ovations für diesen herrlichen Abend dankte, erhielt natürlich nicht nur die traditionelle Zugabe, den Radetzky-Marsch, sondern auch noch einmal – gewissermaßen als Rausschmeißer – den Säbeltanz.

Die rhetorische Frage des Moderators Jörg Simmat: „Sind Sie sich eigentlich bewusst, welch fantastisches Orchester Sie hier haben?!“,  fasste die musikalischen Leistungen, den Ideen-reichtum und die Originalität des Orchesters  zusammen.

Da kann man nur noch ausrufen:  Chapeau!!

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