Finale Viola

Ein hinreißendes Viola-Finale auf allerhöchstem Niveau

(gd) – Am Freitag, dem 12. Mai 2017, trafen sich nach drei schwierigen Auswahlprüfungen mit insgesamt 58 Solisten nun die besten drei Violaspieler dieses Wettbewerbes in der Musikhalle zum alles entscheidenden Finale mit der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach wiederum unter der bewährten Leitung ihres Dirigenten David Marlow.

Für das Orchesterfinale entschieden sich alle drei Finalisten für das Viola-Konzert von Bela Bartók (1881-1945). Das Bratschenkonzert (Moderato - Adagio religioso - Allegro vivace), das im Jahre seines Todes entstand,  ist zweifellos eines der wichtigsten Viola-Konzerte des 20. Jahrhunderts. Es entstand im Auftrage des Bratschers William Primrose im Juli/August 1945 in Saranac Lake, New York. Zusammen mit dem Klavierkonzert Nr. 3 ist es sein letztes Werk, welches durch seinen Tod unvollendet blieb. Das Konzert wurde dann mehrfach vollendet: einmal durch Bartóks Freund und Schüler, Tibor Serly (1949); von Peter Bartók (Sohn des Komponisten), Paul Neubauer und Nelson Dellamaggiore (1995) und einmal von Csaba Erdelyi. Im Vergleich zu seinen früheren Werken ist dieses Konzert harmonisch zurückhaltend, eher konservativ mit einem elegischen Stil. Es verlangt dem Bratschisten alles ab an Virtuosität, musikalischer Leidenschaft, technischer Beherrschung des Instrumentes und Musikalität.

Als erster Finalist wurde Sejune Kim ausSüdkorea von Dieter David Scholz angekündigt. Er wurde 1988 geboren und begann mit sechs Jahren Geige zu spielen. Später wechselte er zur Bratsche. Er erhielt zahlreiche Preise, wie den 1. Preis beim 9. Jan Rakowski-Viola-Wettbewerb in Polen, einen 2. Preis des Hindemith-Wettbewerbs der Viola-Stiftung Walter Witte (bei gleichzeitiger Nichtvergabe des Ersten Preises) in Frankfurt am Main und den dritten Preis beim Max-Rostal-Wettbewerb 2015 in Berlin. Sejune Kim spielte als Solist u. a. mit dem Konzerthausorchester Berlin, dem Milton Keynes Orchester, dem Philharmonischen Orchester Baden Baden, dem Seoul Symphony Orchester und dem GMMFS Orchester.

Er ergänzte seine Ausbildung durch verschiedene Meisterkurse, wie z. B. bei Nobuko Imai, Hartmut Rohde, Friedemann Weigle, Gath Knox, Vincent Royer oder Lawrence Dutton. Nach dem Bachelorstudium studierte Sejune Kim im Masterstudiengang an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ bei Prof. Tabea Zimmermann. Anschließend belegte er parallel die Solo-Master-Klasse an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Hartmut Rohde und gemeinsam mit seinem Streichquartett an der HfMT München bei Prof. Christoph Poppen und Prof. Hariolf Schlichtig. Zurzeit setzt er sein Studium an der HfMTM Hannover bei Prof. Volker Jacobsen fort.

Kims Vortrag war durchdrungen von einer Beseeltheit – vor allem im 2. Satz - und einer großen Virtuosität. Er bot eine sehr große Bandbreite dynamischer Gestaltungsmöglichkeiten und schöpfte die Klangvielfalt seines Instrumentes voll aus; er verstand es wunderbar, mit dem Orchester zu musizieren.  

Diyang Mei (China),geboren 1994, war Finalist Nummer 2. Mit fünf Jahren begann er seine musikalische Ausbildung ebenfalls mit der Violine. Ab 2005 besuchte er die an das Central Conservatory of Music angegliederte Schule mit dem Hauptfach Viola in der Klasse von Prof. Shaowu Wang. Bereits in dieser Zeit erhielt er mehrere Stipendien und gewann zahlreiche internationale Preise.

Er spielte mit zahlreichen Sinfonieorchestern und besuchte Meisterkurse u.a. bei Hariolf Schlichtig, Matthias Buchholz, Pinchas Zukerman, Nobuko Imai und Roberto Diaz. Im Oktober 2012 wurde Diyang Mei als Vertreter der chinesischen Musikervereinigung gewählt. Im gleichen Jahr gewann er den Preis des Central Conservatory of Music. Seit 2014 studiert Diyang Mei bei Prof. Hariolf Schlichtig an der Hochschule für Musik und Theater München und ist seit 2016 Stipendiat bei der Yehudi Menuhin Stiftung Live Music Now München e.V. Zu seinen wichtigsten Auszeichnungen zählen u.a. der 1. Preis beim Nationalen Viola-Wettbewerb in Peking/China 2007, der 1. Preis und ein Sonderpreis beim 10. Internationalen Viola- und Violoncello-Wettbewerb in Villa de Llanes (Spanien 2008), der 1. Preis und weitere Auszeichnungen beim IVC Young Artist Competition in Rochester 2012, der 1. Preis beim 19. Internationalen Brahms Musikwettbewerb für Viola in Österreich 2012, der 1. Preis beim Gasteig-Musikwettbewerb in München 2015 sowie der 1. Preis und der Preis der Freunde Junger Musiker beim Internationalen Max Rostal Musikwettbewerb für Viola in Berlin 2015.

Auch sein Spiel war geprägt von hoher Perfektion und musikalischer Ausdruckstärke, seine Virtuosität und sein Werkverständnis waren bemerkenswert und lassen erahnen, dass hier ein großer Bratschist bald die Welt erobern wird!

Aller guten Dinge sind drei – und das waren wirklich gute „Dinge“, die da zu hören waren!!

Die dritte im Reigen der Finalisten war dann Karolina Errera  ausRussland.  1993 geboren, beschäftigte sie sich von früher Kindheit an mit der Musik. Ihr erstes Instrument war die Violine, erst danach die Viola. Von 1999 bis 2011 studierte sie an der Zentralen Musikschule des Moskauer Tschaikowsky Konservatoriums in der Klasse von Maria Sitkovskaya. Seit 2011 ist sie Studentin an der Universität der Künste Berlin in der Klasse bei  Prof. Willfried Strehle.

Sie ist vielfache Preisträgerin verschiedener Wettbewerbe. 2009 gewann sie einen 2. Preis beim Internationalen Wettbewerb für junge Musiker in Moskau. 2013 erspielte sie sich einen 1. Preis beim Internationalen Jan Rakowski Viola-Wettbewerb in Polen.

Bereits als Schülerin gab sie Konzerte in Russland und Europa. Seit 2012 hat sie regelmäßig an verschiedenen Musikfestivals und Meisterklassen, wie dem Verbier Festival, dem „Chamber Music Connects the World“ Festival der Kronberg Academy, der Internationalen Sommerakademie Mozarteum und dem Prades Pablo Casals Festival, teilgenommen. Seit 2014 wird sie von der Deutschen Stiftung Musikleben mit Konzertauftritten gefördert. Seit Dezember 2015 ist Karolina in der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker.

Sie konnte ebenfalls mit einer ausgereiften Interpretation des Viola-Konzertes, mit ihrer gestalterischen Vielfalt und ihrem souveränen Spiel überzeugen. Mit lyrisch, fast schon zarten Klängen vor allem im 2. Satz, mit einer sehr differenzierten Dynamik und exzellenter Technik stand sie ihren Vorgängern in keiner Weise nach.

Es wurde am Ende klar – es war ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“, und so dauerte es auch wieder länger als die angekündigten 30 Minuten, bis Prof. Berger die Entscheidung der neunköpfigen Jury verkündete, aber nicht bevor er sich noch einmal an die drei Finalisten wandte und ihnen versicherte, dass „alle ganz toll“ waren und ein Finale des „allerhöchsten Niveaus“ gestaltet haben. „Sie haben alle die Möglichkeit, mit ihrem Spiel für einen Moment die Zeit still stehen zu lassen!“ 

  1. Preisträger …………………………………………………… Diyang Mei (China)
  2. Preisträgerin ………………………………………………… Karolina Errera  (Russland)
  3. Preisträger …………………………………………………… Sejune Kim (Südkorea)

 Allen Preisträgern herzlichen Glückwunsch und für die Zukunft alles Gute, Gesundheit und viel Glück und Kraft auf dem Weg ihrer musikalischen Karriere.

 

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