Museumsnacht

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Im Rahmen des 61. Internationalen Instrumentalwettbewerbs Markneukirchen 2026 wurde im Ausstellungsraum des historischen Sägewerks eine vom Verein der Freunde und Förderer des Musikinstrumentenmuseums organisierte Sonderausstellung zum Thema „Die Schalmei – ein Signal aus Markneukirchen“ eröffnet. Gezeigt werden insgesamt 65 Instrumente. Die beiden Schalmeien-Sammler und -Kenner Sandro Leiter aus Maschwitz bei Halle und Tino Köppe aus Berlin haben Leihgaben zur Verfügung gestellt, weitere Instrumente stammen aus dem Fundus des Musikinstrumenten-Museums und von Privatpersonen. Die Ausstellung nach einer Idee von Kerstin Voigt zu verdanken. Sie ist die Geschäftsführerin der Meisterwerkstatt für Metallblasinstrumente Jürgen Voigt in Markneukirchen. Dort wird seit 1996 die Tradition der Schalmeienfertigung in der Musikstadt gepflegt und fortgesetzt.
Über diverse Vorläufer der Schalmei, wie und durch wen es für ihren Aufschwung als „Signal aus Markneukirchen“ kam, darüber informierte zur Eröffnung Museumsmitarbeiter Mario Weller in einem Vortrag. Ihre unmittelbaren Vorläufer waren sogenannte Huppen, die als reine Signalinstrumente ab 1870 in Bayern, Württemberg und Sachsen – unter anderem bei Albin Baer jun. In Markneukirchen – hergestellt wurden. Ein markanter Einschnitt erfolgte 1889 durch Maximilian Carl Robert Andorff und seine „Chors“ für Radfahrer. 1899 wurde Max B. (Bernhard) Martin, der seit 1893 bei Andorff angestellt war, Inhaber der Deutschen Signalinstrumentenfabrik in Markneukirchen. Er entwickelte die erste mehrtönige Rufhörner und Fanfaren, war aber schon vorher bekannt geworden durch die sogenannten Kaiser-Huppe, deren markantes „Ta-tü, ta-ta“ bis heute als Warnsignal speziell bei Feueralarm bekannt ist. Eine Gedenktafel am damaligen Wohnhaus von Max. B. Martin in der Wernitzgrüner Straße 1 in Markneukirchen ist nachzulesen: Als das Automobil anfing die Straßen zu erobern, wurde es erforderlich, für Sonderfahrzeuge eine besondere Signalhupe zu entwickeln, die Martin 1905 konstruierte: ein auf Tonzungenbasis arbeitendes Signalhorn, das später auch nach ihm benannt wurde. Sein Schwiegersohn Christian Günther erfand 1932 das elektrische Martinshorn.
Auf dem Deutschen Turnfest 1923 in München begann der Siegeszug der Martin-Fanfaren durch Deutschland und einen Teil des Auslandes. Die erste schriftliche Erwähnung des Namens „Schalmei“ tauchte in der „Hamburger Volkszeitung“ vom 11. Juni 1926 auf. In dieser Zeit gab es auch erste Tonaufnahmen damaliger Kapellen durch das Label „Schalmei-Record“ und in Berlin-Oberschöneweide existierte ein „Arbeiter-Schalmei-Orchester“. In der Folgezeit und mit Gründung vom „Rot Frontkämpfer-Bund 1924 in Halle bildeten sich vielerorts Schalmeienkapellen, so zum Beispiel in Hamburg, Halle, Berlin, Dresden und im Vogtland in Plauen, Falkenstein und Markneukirchen. Unter den Nationalsozialisten wurden sie verboten. Mit Enteignung der Familie Günther nach dem 2. Weltkrieg wurden Schalmeien zunächst in Bayreuth, ab 1952 in Philippsburg/Baden und weiterhin auch in Markneukirchen produziert. Siehe oben: In der Meisterwerkstatt für Metallblasinstrumente Jürgen Voigt wird seit 1996 die Tradition der Schalmeienfertigung in der Musikstadt gepflegt und fortgesetzt.
Neben der Vielzahl an Instrumenten sind in der überaus sehenswerten und informativen Sonderausstellung auch zwei besondere Dokumente zu sehen, die einer gewissen Kuriosität nicht entbehren. Am 19. Juni 1987 sandte der Ex-DDR-Chef Erich Honecker einen Brief an Udo Lindenberg: „Lieber Udo Lindenberg. Mit der Übersendung der Lederjacke haben Sie mir eine Überraschung bereitet, für die ich Ihnen danke. Natürlich ist das Äußere Geschmackssache, aber was die Jacke selbst betrifft: sie passt... Übrigens, da Sie gelegentlich auf meine musikalische Vergangenheit zu sprechen kommen, schicke ich Ihnen eine Schalmei. Viel Spaß beim Üben.“ Der Westrocker seinerseits antwortete am 23. Juni 1987 – geschrieben auf einem Blatt Papier aus dem Hotel Inter-Continental Berlin: „Lieber Erich Honecker, herzlichen Dank für Ihren Brief und die tolle Schalmei. Ich freue mich sehr und werde auf meiner nächsten LP als Gruß an Sie ein paar Töne auf diesem wunderbaren Instrument spielen.“
Die Sonderausstellung wird noch bis zum 21. Februar 2027 gezeigt. Geöffnet ist sie Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr.