Eröffnungskonzert zum 59. Internationalen Instrumentalwettbewerb Markneukirchen am 3. Mai 2024

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(gd) – Es war ein erlebnisreicher, genussvoller Abend, der wohl noch lange in den Zuhörern nachklingen wird. Allein das gemeinsame Musizieren des Sinfonieorchesters Markneukirchen mit dem Telemark Symfonieorkester Skien aus Norwegen war eine Offenbarung! Bewundernswert, welch eine Klangqualität und Homogenität die beiden Klangkörper nach nur kurzer gemeinsamer Übungszeit unter der souveränen Leitung von Tanja Carita Ikonen bzw. Matthias Spindler auf die Bühne „zauberten“!

Traditionell wurde dieses Konzert mit der Wettbewerbsfanfare eröffnet. Anschließend hieß unser Bürgermeister Toni Meinel das Partnerorchester aus Norwegen, die Schirmherrin des 59. IIW und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Frau Yvonne Magwas, den Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen und Schirmherrn des IIW, Michael Kretschmer, die Wettbewerbsteilnehmer, Juroren und Korrepetitoren sowie die zahlreichen Gäste willkommen. Er brachte seine Freude über das gemeinsame norwegisch-deutsche Orchesterprojekt zum Ausdruck, das zur Eröffnung eines internationalen Instrumentalwettbewerbs sehr gut passt. Der IIW sei auch geprägt vom Motto „Künstler trifft Kunsthandwerker“, d.h. aus dem Erfahrungsaustausch zwischen Musiker und Instrumentenhersteller könne großer, beidseitiger Nutzen entstehen. Er unterscheide sich in vieler Hinsicht wohltuend von anderen Wettbewerben in der Welt, denn „unsere Region lebt von und für die Musik“! Zum Schluss dankte er allen Förderern und Sponsoren, den Mitarbeitern im Rathaus und allen Helfern, die Jahr für Jahr ein Garant für das Gelingen dieses Wettbewerbes sind.

Ministerpräsident Michael Kretschmer, der bereits einige Male im Vogtland weilte, ließ es sich nicht nehmen, auch ein paar Worte über Markneukirchen und den Musikwinkel zu sagen. Das Fazit seiner Besuche in Markneukirchen: Es ist „ein Ort in Sachsen, der eine ganz besondere Ausstrahlung hat, die Menschen, die Natur, die Landschaft – wer hierherkommt, fühlt sich willkommen… die Hingabe, die man als Instrumentenbauer braucht, denn in der Herstellung von Musikinstrumenten liegt eine Seele, und das macht etwas mit den Menschen, das macht etwas mit dem Klima in diesem Ort…!“ Der Musikwinkel sei ein besonderer Edelstein, er funkelt und glänzt und benötige aber auch von allen Menschen Sachsens und somit natürlich auch des Vogtlandes viel Zuwendung und großes Engagement. Und so verspricht Michael Kretschmer dem Kulturraum Vogtland weitere Unterstützung, damit dieser weltweit anerkannte internationale Instrumentalwettbewerb weiterleben kann. Gewissermaßen als kleines Dankeschön an alle Mitarbeiter und Besucher lud er nach dem Konzert noch zu einem Empfang mit gemeinsamen Gesprächen ein.

Und dann kam endlich die Musik zu Wort! Mit der „English Folk Song Suite“ (1923) erklang eines der berühmtesten Werke des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams (1872-1958), das mit vielen volksliedhaften Elementen in den drei Sätzen kleine Geschichten über die Liebe zwischen einem Soldaten und einem Mädchen, vom reichen Mann und Lazarus und von unbeantworteter Leidenschaft erzählt.

Unter der souveränen Führung der norwegischen Dirigentin Tanja Carita Ikonen gelang es dem Orchester, diese verschiedenen Elemente der englischen Volkspoesie wunderbar nachzuempfinden. Bemerkenswert waren auch die solistischen Einsätze der Oboe und der Klarinette!

Mit Spannung erwartet wurde dann der Auftritt des tschechischen Cellisten Vilem Vlcek, der als Gewinner des Internationalen Instrumentalwettbewerbs Markneukirchen 2023 noch vielen Konzertbesuchern in bester Erinnerung sein dürfte. Er zeigte mit dem Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 C-Dur (HobVII:1) von Joseph Haydn (1732-1809) seine große Musikalität. Dessen 3. Satz gehört wohl zum schwersten, was die Celloliteratur zu bieten hat. Mit beeindruckender Virtuosität, gefühlvoller Leidenschaft und traumhafter Sicherheit in allen drei Sätzen, unterstützt durch das von Tanja Carita Ikonen sehr einfühlsam geleitete kleine Orchester, riss er das Publikum mit und forderte es zu einem lang anhaltenden Beifall heraus.

Nach diesem musikalischen Ohrenschmaus kam Frau Yvonne Magwas, diesjährige Schirmherrin des Internationalen Instrumentalwettbewerbs Markneukirchen, zu Wort. Auch für sie war das bisherige Konzert eine Offenbarung, „eine wahre Pracht für die Ohren“. Ganz im Sinne Richard Wagners könne man sich auch in den nächsten Tagen auf „wahrhaft künstlerische Offenbarungen freuen“; jeder Teilnehmer wird als Gewinner aus dem Wettbewerb hervorgehen, denn interessante Erfahrungen, Begegnungen und gedanklicher Austausch seien unbezahlbar! „Lassen sie uns … ein großes Fest der Musik feiern, und von hier aus, von der Mitte in Europa … mit der verbindenden Kraft der Musik ein Zeichen des friedlichen Miteinanders und der Verständigung über alle Grenzen hinweg in die Welt senden.“

Prof. Christian Lampert, Präsident des IIW für Blasinstrumente und fachkundiger Insider, fasste noch einmal die wesentlichsten Gedanken über diesen musikalischen Wettstreit zusammen:  Wie in jedem Jahr blicke die internationale Musikwelt verstärkt auf Markneukirchen, auf den schönen und anspruchsvollen Wettbewerb, einen Wettbewerb von internationalem Rang; er bringe „wie immer Vielfalt, internationales Flair und musikalische Spitzenklasse in die Stadt“ und zeige den Teilnehmern aus der ganzen Welt, wie gastfreundlich die Menschen hier sind. Prof. Lampert versprach, dass es ein reibungsloser und fairer Wettbewerb wird, der allen in bester Erinnerung bleiben werde. Solch ein Wettbewerb sei für junge Musiker wichtig, denn die lange Zeit der Vorbereitung prägt die persönliche Entwicklung. Konsequentes Üben, die Auseinandersetzung mit der Musik, Proben mit den Korrepetitoren, aber auch körperliches und mentales Training – alles fällt leichter, wenn ein Ziel vor Augen steht – „endlich können sich die jungen Künstlerinnen und Künstler in einem hochkarätigen Wettbewerb, mit einem extrem fordernden Programm vor einer herausragenden Jury und einem internationalen Teilnehmerfeld präsentieren. Sie können mit anderen gemeinsam mitfiebern, auch wenn sie bei ihrem eigenen Vortrag allein auf der Bühne stehen. Sie können Freundschaften schließen und anderen den Erfolg gönnen, auch wenn sie eventuell selbst enttäuscht über ein Ausscheiden sein werden. Das alles gehört elementar zu einem Wettbewerb und eben auch zum Leben.“

Mit der 1. Symphonie D-Dur op. 4 (1865-66) vom norwegischen Komponisten Johan Severin Svendsen (1840-1911) beendeten die vereinigten Orchester aus Skien und Markneukirchen – dieses Mal unter der Leitung von Matthias Spindler – dieses Eröffnungskonzert 2024.  Es war noch einmal eine große Herausforderung für alle Musiker, die Konzentration hoch zu halten, um dieses anspruchsvolle Werk aus der Spätromantik musikalisch zu bewältigen. Und es ist ihnen mit Bravour gelungen! Da kann man nur anerkennend resümieren, dass solch ein gemeinsames Musizieren beider Orchester nach einer Wiederholung verlangt!

Danke an alle Musiker beider Orchester sowie an Tanja Carita Ikonen und Matthias Spindler für dieses beeindruckende musikalische Erlebnis!